Gala

Wohnverhältnisse ... die etwas andere WG (2017)

In der WG geht's drunter und drüber

Theater: Mönchberger Gesetzbücher überzeugen beim Start in die 30. Saison mit WG-Komödie
Die 30. Saison der Mönchberger Gesetzbücher setzt mit der Komödie "Wohnverhältnisse... die etwas andere WG" ein weiteres Glanzlicht in der ohnehin glanzvollen Erfolgsgeschichte dieser Theatergruppe mit ihren Vollblutakteuren. Die Premiere am Samstagabend im Mönchberger Pfarrheim bewies: Freunde der Unterhaltung mit Schenkelklopfen kommen heuer genau so auf ihre Kosten wie anspruchsvolle Theaterfreunde, die feine Nuancen beim Spielen, ausgefeilte Gestik und Mimik und punktgenau gesetzte Effekte schätzen. Die Komödie Bernd Spehlings hat Anita Keller wieder einmal den Mönchberger Akteuren einfühlsam auf den Leib geschneidert. Die Mischung zwischen »Platt« und Schriftdeutsch in den acht Rollen sorgt für viel Tempo und beste Laune auf und vor der Bühne, die Geschichte rund um den verlassenen Ehemann, für den sein Sohn eine Wohnung in der WG gesucht und gefunden hat, in der drei Frauen auf ihn warten wie Spinnen, die hoffen, dass sich ein Mann in ihrem Netz verfängt. Und das Schönste: Das »Opfer« Wotan Steller - eine Glanzrolle für Gebhard Motzel - hat dabei noch grenzenlosen Spaß und überträgt den nahtlos auf die Zuschauer - auch wenn er darüber klagt, dass ihn seine Frau verlassen hat: »Ohne dich stoffwechsel ich nur so vor mich hin.«
Zwischen Vamp und Hippie Wie sich dieses turbulente Zusammenleben zwischen dem Mann und den drei Frauen weiter entwickelt, welche Rolle eine Schornsteinfegerin mit Höhenangst - sehr überzeugend: Renate Miltenberger - spielt, wie es der Sohn Benjamin - von Fabius Löffler frisch und sensibel verkörpert - schafft, sich langsam aber sicher vom Vater zu emanzipieren, und warum es der Elektriker Ulf Informationen der witzigen
Zeitungsbild
Auch mit Sahne unter der Nase ist Wotan in der WG der Hahn im Korb, wenn sich Emily und Elke um ihn scharen. Wenn da nur nicht die verkleidete Ehefrau Sylvia wäre! Foto: Heinz Linduscka
Darstellung von Erich Österlein lieber Reime bastelt als den Geschirrspüler zu reparieren, das soll hier nicht verraten werden. Das kann man in einer der restlichen 14 Aufführungen im Pfarrheim und in der VfL-Halle selbst genießen. (siehe Kasten). Aber Beeilung: Schon vor der Premiere am Samstag waren viele Karten verkauft. Alle acht Akteure finden genau den richtigen Mittelweg zwischen differenziertem Rollenbild und oft zum Brüllen komischem Spiel: Die drei WG-Damen changieren nahtlos zwischen männermordendem Möchte-Gern-Vamp Emily (Corina Öhrlein), friedensbewegt schnorrendem Hippie (Anita Keller) und Elke (Alexandra Seufert), die langsam aber sicher ihren Nebenjob als Medikamententesterin gegen den als Männertesterin eintauscht. Fehlt nur noch Marco Motzel, der als Vermieter Schaller schon bei geschlossenem Vorhang das Publikum zum Lachen bringt. Zusammen mit der Souffleuse Ludwina Weis, die seit 30 Jahren dafür sorgt, dass niemand ohne Text auf der Bühne steht und von Jahr zu Jahr weniger Arbeit hat mit den Akteuren, mit Ronald Reinfurt, der die Technik wieder mal voll im Griff hat, mit den stimmigen Requisiten von Michaela Goihl und der atmosphärisch dichten Bühne von Werner Becker und seinem Team bieten die »Gesetzbücher« heuer erneut Amateurtheater der Extraklasse.
Geschenk an Theaterfreunde Besonders zu nennen ist in diesem Jahr Udo Seufert, der seinen Platz auf der Bühne gegen die anstrengende Aufgabe als Regisseur vertauscht hat. Mit seiner ansteckenden Begeisterung und sorgfältiger Detailarbeit hat er ein überzeugendes Ergebnis auf die Bretter gezaubert, die für die Mönchberger wirklich einige Wochen lang die Welt bedeuten. Jedenfalls ist auch »… die etwas andere WG« wieder ein wunderschönes Geschenk an Theaterfreunde aus nah und fern. Die aber sollten sich möglichst schnell um eine der restlichen Karten kümmern, um zu sehen, ob die Wotans Lebensweisheit stimmt: »Wenn die Männer welk werden, verduften die Frauen.«
HEINZ LINDUSCHKA

Pfarrheim Mönchberg: Freitag, 24. März, Samstag, 25. März, jeweils 20 Uhr, Sonntag, 26. März, 18 Uhr; Freitag, 31. März, Samstag, 1. April, jeweils 20 Uhr, Sonntag, 2. April, 18 Uhr; Freitag, 7. April, Samstag, 8. April, jeweils 20 Uhr, Sonntag, 9. April, 18 Uhr VfL-Turnhalle Mönchberg: Freitag, 28. April, Samstag, 29. April; Freitag, 5. Mai, Samstag, 6. Mai; Samstag, 13. Mai (jeweils 20 Uhr) (hlin) Kartenreservierung bei Kreativity Aschaffenburger Straße 4, Mönchberg. Tel. 09374/2813

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