Gala

Auto gut - alles gut (2014)

Waldmeisterbrause und Glückshormone

Volkstheater: Volkstheater: Mönchberger Gesetzbücher spielen in Hochform - Weitere Auftritte im April und im Mai


Mönchberg: »Auto gut - alles gut« lautet der Titel und auch das letzte Wort im witzigen Dreiakter. Besucher im Mönchberger Pfarrheim waren sich am Freitagabend bei der fünften Aufführung in diesem Jahr einig: Wenn die Mönchberger Gesetzbücher Freunde temperamentvollen Volkstheaters zu ihrer alljährlichen Theatersaison einladen, dann ist wirklich alles gut.
Elf Akteure stehen heuer auf der Bühne, zwei davon zum ersten Mal in der Mönchberger Gruppe, die von Regisseur Reinhold Keller mit viel Gespür für Bühnenpräsenz und wirksame Effekte in Hochform aufs »Spielfeld« geschickt wird.

Rolle für Regisseur

Dass der »Trainer« diesmal selbst eine zum Schießen komische Rolle übernommen hat und als Schoppenclub-Simon in Frauenkleidern nicht als Charlys, aber als Ullis Tante das Publikum jubeln lässt, dass Anita Keller wieder mal die Textvorlage sehr einfühlsam den Gesetzbüchern auf den Leib geschneidert hat und auch selbst als »Nervensäge« Gisela mit zahlreichen Zusatzgags und einem ausgefeilten Mienenspiel für eine schier endlose Reihe von Lachsalven sorgt, trägt entscheidend zum großen Erfolg von »Auto gut - alles gut« bei.
Ohnehin können selbst anspruchsvolle Theaterfreunde, die bei Volkstheater manchmal die Stirn runzeln, bei den Gesetzbüchern kaum ein Haar in der Suppe finden. Natürlich fordern auch deren Stücke die Auffassungsgabe der Zuschauer nicht bis an die Grenzen - aber das ist auch nicht der Sinn dieser Art von Theater. Die Mönchberger bieten leichte, witzige Unterhaltung, arbeiten mit Verwicklungen und Verwechslungen ohne Ende, spielen mit Wortwitzen - mal verblüffend intelligent, mal ohne Angst vor Kalauern - und haben alle elf Rollen so besetzt, dass niemand abfällt und jeder seine besonderen Qualitäten auf der Bühne ausspielen kann.
Zeitungsbild
Die »Nervesäch« Gisela lässt Familie Feuerlein einfach nicht in Ruhe. Foto: Heinz Linduschka
Dass heuer das »Urgestein« auf der Bühne in Mönchberg, Eleonore Knapp, nicht mehr dabei ist, mag mancher bedauern, der Leistung der Gesetzbücher und ihrem Erfolg tut das aber keinen Abbruch. Wer Gebhard Motzel als Käferfan Herbert Feuerstein erleben darf, weiß, wie jemand spielt, dem das Theater im Blut steckt. Alexandra Seufert agiert mit sparsamer Gestik und Mimik als seine Gattin mit großer Bühnenpräsenz, und auch Nadine Becker hat als Tochter der Familie einen stimmigen ersten Auftritt in Mönchberg. Mit Corina Öhrlein haben die Gesetzbücher einen »Import« aus Eschau an Land gezogen, der sich als Regina mit einer urkomischen Mimik und Gestik auf der Bühne spürbar wohl fühlt und das Publikum immer wieder zu Szenenbeifall provoziert. Von der urkomischen Anita Keller als Nachbarin Gisela war schon die Rede. Ihre Mimik beim Umgang mit »Wodkabrause« ist schon allein das Eintrittsgeld wert.
Die restlichen Rollen sind ebenfalls perfekt besetzt: Marco Motzel spielt den verliebten Ulli in einer Mischung aus Hilflosigkeit und jungenhaftem Charme. Erich Österlein nutzt selbst die kleine Rolle des Michael zu einem eindrucksvollen Auftritt - genau wie Mike Grün als »wortinkontinenter« Briefträger Schorsch und Michaela Goihl als Ursula Winterkorn, Ullis vornehme und spätberufene echte Tante. Fehlt nur noch Udo Seufert als Autokäufer mit nervösem Schulterzucken, der mit seinem Spiel beweist, dass es tatsächlich keine kleinen Rollen, sondern nur kleine Schauspieler gibt.

Segensreiche Souffleuse

Abgerundet wird das Ganze durch eine Souffleuse Ludwina Weis, die allein durch ihre Anwesenheit segensreich wirkt, durch eine funktionierende Ton- und Lichttechnik, durch eine Maske, die gerade dadurch glänzt, dass sie sich nicht in den Vordergrund schiebt, und durch ein aufwendiges, atmosphärisch dichtes Bühnenbild. Heinz Linduschka Heinz Linduschka
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