Gala

Der geliehene Opa (2013)

Mitreißender Spielwitz und spaßige Dialoge

Laientheater: »Gesetzbücher« provozieren Lachsalven

Mönchberg Wenn 150 Zuschauer drei Stunden lang im vollbesetzten Pfarrheimsaal turbulentes Volkstheater ohne eine Minute Langeweile mit spontanen Lachsalven und begeistertem Zwischenapplaus genießen, dann ist klar: Die Mönchberger »Gesetzbücher« treiben wieder mal ihr (Un-)Wesen auf der Bühne.
Die Roses haben sich versöhnt, Sohn Felix ist beeindruckt vom Outfit des geliehenen Opas, und Katjas Freund Jonas staunt über das »reife« Model, die Nachbarin Thekla. Foto: Heinz Linduschka
»Der geliehene Opa« heißt heuer das Stück, bei dem kein Auge trocken bleibt und am Ende minutenlanger Beifall die zwölf Akteure und die Menschen hinter der Bühne für ihre Leistung belohnt.
Show für Singles
Turbulent, mit mitreißendem Spielwitz, witzigen Dialogen im authentischen Dialekt, mit Gestik, Mimik und einer ausgefeilten Präzision auf der Bühne, die neben den Akteuren dem engagierten Regisseur Reinhold Keller zu verdanken ist, entwickelt sich der Dreiakter. Er zeigt die Geschichte des Ehepaars Rose (rundum überzeugend: Udo Seufert und Renate Miltenberger) mit seinen zwei Kindern, das die klamme Haushaltskasse dadurch aufbessern will, dass man für ein paar Tage Singles aufnimmt und denen eine heile Familie vorspielt. Natürlich kann das nicht gut gehen, weil bei den Roses Tochter Katja und Sohn Felix oft als Streitschlichter bei den Eltern eingreifen müssen und ein Opa geliehen werden muss, um den Singles das perfekte Familienidyll vorzuführen. Wenn aber der Opa ein »Giftzwerg, eine Nervensäge« ist - so Bärbel Rose -, dann muss das ja schief gehen!
Dass sich am Ende alle Probleme erledigt haben, sich aufkeimende Eifersucht gelegt hat und sich verblüffend viele neue Paare finden, gehört zum Volkstheater. Wie das die Mönchberger mit ansteckender Begeisterung auf die Bühne zaubern, zeichnet die »Gesetzbücher« als außergewöhnlich gute Amateurtheatertruppe aus.

Die Roses haben sich versöhnt, Sohn Felix ist beeindruckt vom Outfit des geliehenen Opas, und Katjas Freund Jonas staunt über das »reife« Model, die Nachbarin Thekla. Foto: Heinz Linduschka
Alle zwölf Rollen sind glänzend besetzt. Vanessa Schließmann spielt die Tochter Katja sehr glaubwürdig und natürlich, Marco Motzel überzeugt als Sohn Felix, und als Jonas, Katjas neuer Freund, sorgt Mike Grün dafür, dass mit ihm als Hochdeutsch-Sprecher ein schöner Kontrast zum vorherrschenden Dialekt auf die Bühne kommt. Es gibt immer wieder Szenenapplaus, wenn Alexandra Seufert als Oma Rose allmählich ihre Abneigung gegen den geliehenen Opa - eine Glanzrolle für Gebhard Motzel - überwindet und entdeckt, dass man mit ihm gut auskommt, wenn man ihn nur am Ohr zieht und ihn so zur Räson bringt. Spontaner Beifall auch, wenn Erich Österlein die Knallcharge des Staubsaugervertreters Anselm Swirl verkörpert, wenn sich die beiden Singles - die Karrierefrau Emelie der Anita Keller und das rührend hilflose Muttersöhnchen Jörg des Werner Becker - langsam, aber sicher annähern. Genau so gespannt warten die Zuschauer darauf, ob es Hanna (Michaela Goihl) schafft, ihren Vater wieder von den Roses loszueisen, und ob sich die Nachbarin Thekla, blind wie ein Maulwurf, wieder mal mit der Grünpflanze unterhält. Für Eleonore Knapp erneut eine Rolle, bei der sie all ihre urkomischen Qualitäten ausspielen kann.
»Wenn ich Gesichter machen könnt’, würd’st du annerster aussehn«, sagt Oma Rose über den geliehenen Opa. »Annerster« sollte das Spiel der »Gesetzbücher« nicht aussehen. Genau so ist es nämlich perfekt - mit einer Souffleuse Ludwina Weis, die wieder mal ruhige Abende in ihrem Souffleurkasten verbringen kann, mit genau passenden Outfits der Figuren, für die Helga und Nadine Becker sorgen, mit der stimmungsvollen Beleuchtung des Ronald Reinfurt und mit der souveränen und einfallsreichen Regie des Reinhold Keller. Heinz Linduschka