Gala

Wer krank ist muss kerngesund sein (2007)

Wer lang lacht, lebt lang

Gesetzbücher begeistern mit Komik und Temperament MÖNCHBERG. „Wer krank ist, muss kerngesund sein“ heißt das Stück, das die Mönchberger Gesetzbücher im 20. Jahr ihres Bestehens spielen, und ganz schnell wird klar: Die Gesetzbücher sind auf jeden Fall kerngesund. Zwei Stunden kurzweiliges und temperamentvolle Unterhaltung darf erwarten, wer eine der nächsten sieben Aufführungen im Pfarrheim besucht oder danach einen der drei Termine in der VfL-Halle bucht. Allerdings muss man sich beeilen, denn die meisten Karten sind längst weg. Kein Wunder, dass so ein Andrang herrscht. Denn bei den Aufführungen der Mönchberger Amateure bleibt tatsächlich kein Auge trocken. Und in diesem Jahr sind sie sogar aktuell und fast schon politisch. Sie lassen die Besucher nämlich einen Blick ins düstere Gesundheitswesen werfen, und da gilt tatsächlich: „Wer krank ist, muss kerngesund sein!“ Ein Kranker übersteht ganz sicher die arrogante Art des Oberarztes Dr. Marc Krüger – wunderbar wandlungsfähig von Gebhard Motzel verkörpert-, die gewöhnungsbedürftige Art der mal handfesten, mal schelmischen Schwester Lisa (Alexandra Seufert) und ihrer schnippischen und resoluten Kollegin Senta (Anita Keller) nicht. Die sympathisch verwirrte Chefärztin Dr. Wehling (Renate Miltenberger) ist da auch keine rechte Hilfe, vom „Wischmopp auf zwei Beinen“, der Putzfrau Olga, - gewohnt urkomisch von Eleonore Knapp gespielt – ganz zu schweigen. Werner Schnitzler (Erich Österlein), ein Patient mit Anfällen von Hypochondrie, und Gustav Holbrook (Alois Miltenberger), der Mann von der Krankenkasse können froh sein, dass sie bei guter Gesundheit davon kommen. Der Patient schleppt sogar noch Schwester Lisa als Braut ab. Und wenn das Chaos mal verblüffend geordnet scheint, tauchen da immer wieder komische Figuren auf: Picasso, Caesar, Henry Maske und Karl Lagerfeld, hinter denen sich ausnahmslos nur einer verbirgt: der Psychopath Manni, eine Paraderolle für den begabten Pascal Thomas. Alles stimmt in dieser Jubiläumsproduktion: Regisseur Reinhold Keller hat wieder seine gute Hand bei der Besetzung der Rollen bewiesen und zeigt großes Gespür dafür, dass man auch mit kleinen Gesten und mit ausgefeilter Mimik Lachsalven hervorrufen kann. Wer es wagt, den Pressevertreter direkt neben die Souffleuse zu setzen, muss sich seiner Sache schon ganz sicher sein – zu Recht. Für die Technik und reibungslosen Ablauf im stimmungsvollen Saal des Pfarrheims sorgte Ronald Reinfurt und die Maske von Helga Becker und Kerstin Rehbein würde – wie das Bühnenbild – auch einer Profibühne alle Ehre machen.

Unterhaltung vom Allerfeinsten

Die Geschichte um den arroganten Oberarzt, die Intrigen und Verwirrungen in der Klinik, der eher Knallchargenhaften Einbezug einer Mafiaepisode und das unvermeidliche Happy End mögen allesamt kein Beleg für hoch stehende Literatur sein. Aber darum geht es auch gar nicht, wenn die Mönchberger auf der Bühne stehen: Sie bieten Unterhaltung vom Allerfeinsten, provozieren Lacher ohne Ende und lassen keine Sekunde Langeweile aufkommen. Was will man mehr von einer lupenreinen Amateurtruppe? Eine Bettpfanne als Nahkampfwaffe, der Cognac im Medizinschrank, der meterlange Plastikschlauch für die Darmspülung – all das klingt möglicherweise wie die Aufzählung von Requisiten aus verstaubten Comedy-Stücken. In Mönchberg war das ganz anders. Da waren das wichtige Bestandteile eines rundum geglückten Abends, der so manche Medizin ersetzen konnte, denn: „Wer lang lacht, lebt lang!“ (Heinz Linduschka)

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