Gala

Das Lisbethchen von Mönchberg (1992)
Auszug aus dem Main-Echo vom 29.04.1992
Main-Echo
SCHLUSS-SZENE (bei der Generalprobe aufgenommen): Lisbeth stirbt, umringt von den Bauern, in den Armen ihres Vaters. Foto: Miltenberger

Vom tragischen Ende der frommen Lisbeth und des bösen Schultheiß Staudersjörg

Historisches und Sage verwoben im Theaterstück – Morgen Premiere in Mönchberg

Mönchberg. Eine gar schröckliche Geschichte bringt die Mönchberger Theatergruppe „Die Gesetzbücher“ auf die Bühne. Morgen, Donnerstag, um 20Uhr ist im Pfarrheim St. Wendelin Premiere für „Das Lisbethchen von Mönchberg“. Die Laien-Darstellergruppe, die seit fünf Jahren besteht und sich bisher auf Schwänke spezialisiert hatte, wagte sich nun an einen ernsteren Stoff. Ob sich das dreiviertel Jahr emsiges Proben gelohnt hat, sollen die Zuschauer selbst beurteilen bei insgesamt sieben Vorstellungen bis zum 17. Mai. Karten gibt es im Geschäft Gebhard Motzel
Der Verfasser des Stückes war Pfarrer Hermann Weber (1929-1957), der als Heimatforscher Licht in Mönchbergs Vergangenheit gebracht hat. Mit dem „Lisbethchen von Mönchberg“ ist es ihm gelungen, historisch Verbürgtes mit Sage zu verquicken – man mag an den „Schinderhannes“ denken, dessen tragisches Schicksal immer wieder dargestellt wird. Im „Lisbethchen von Mönchberg“ tritt der trunksüchtige, jähzornige „Staudersjörg“ auf. Den hat es wirklich gegeben: Am 9.11.1609 wurde er in Mönchberg geboren, er heiratete eine Katharina Grimm aus Röllbach und war Schultheiß „ in der Cent zu Eich“: also von Mönchberg, Streit, Ober- und Unterschippach. 1672 erhängte er sich. Auf der Bühne erfährt man auch belegte Zahlen für Mönchberg 1672: Es gab 38 Häuser, 41 Männer, 43 Weiber, 66 Buben und 52 Mägdlein; in Streit wohnten nur zwei Familien.

Es geht um Lisbeths Seele

Das Stück spielt im Dreißigjährigen Krieg, als Pest, Hexenwahn und Not den Alltag prägten. Die Mönchberger Waldabteilung „Leuchte“ soll ihren Namen zur Erinnerung an die lodernden Scheiterhaufen erhalten haben, auf denen die Hexen brennen mussten. Zur Handlung: Der Staudersjörg betrinkt sich wieder einmal beim Unterwirt, geht nach Hause und ersticht sine Kuh. Am Mönchberger Herrgottsbrunnen trifft er auf seinen Magd Lisbethchen, die Futter schneidet. Er beschuldigt sie, sie habe ihm seine beste Kuh verfüttert, daheim liege sie tot im Stall. Die Lisbeth müsse sie nun bezahlen, wenn nicht wolle er sie in den Turm sperren und krumm schließen lassen: Vater und Mutter dazu. Das Lisbethchen weint, die Eltern hätten doch kein Geld, sie können die Kuh nicht bezahlen. Als der Schultheiß gegangen ist, steht ein Fremder neben ihr und sagt, er wolle helfen. Der Fremde aber war der Teufel. In ihrer Bedrängnis verschreibt Liesbeth ihm ihre Seele, der Teufel gibt ihr dafür einen Beutel gold. Als sie in die Scheune ihres Herrn kommt, baumelt er am Balken: Er hatte sich erhängt. Im Stall sieht sie die erstochene Kuh. Da wird ihr klar, dass sie einen großen Fehler begangen hatte, als sie dem Teufel ihre Seele verschrieb. Sie vertraut sich dem Pfarrer an, der sie zum Beten in die Kirche schickte. Der Teufel kriegt sie auf der Treppe noch zu fassen. Er wirbelt Lisbeth um den Kirchturm und lässt sie zu Boden fallen, wo sie stirbt. Der Pfarrer legt Fürbitte für sie ein und beerdigt sie auf dem Kirchhof. Der Staudersjörg wird von den Henkersknechten vom Balken abgeschnitten und unter dem Galgen – mit dem Gesicht nach unten – verscharrt.

Schwierige Rolle

Die Rolle des Lisbethchen wird von Denise Bauer gespielt, überzeugend in ihrer Einfachheit und Ehrlichkeit. Den Staudersjörg verkörpert Eckhard Zöller: jähzornig und skrupellos. Das Bärbele (Schwester von Lisbeth) wir abwechselnd von Desiree Zöller und Manuela Keller dargestellt: schlicht und kindlich. Werner Becker mimt den frechen und frivolen Teufel. Der Pfarrer ist auch eine geschichtliche sehr interessante Person, denn er war der Erbauer der heutigen Mönchberger Pfarrkirche und ein sehr gelehrter Herr, der vergebens gegen den Hexenwahn kämpfte. Rudi Bischoff hat diese Rolle übernommen. Seine Haushälterin, die Jungfer Margret, spielt Renate Zöller. Keine leichten Part hat Udo Seufert mit dem Klingenberger Amtskeller Philip Steinmetz, weil er das damals gebräuchliche Amtsdeutsch sprechen muß. In ein Mönchberger Original schlüpfte Gebhard Motzel als Torschneider, immer zu einem Scherz bereit, aber sehr neugierig und auf seine Vorteile bedacht. In weiteren Rollen sind zu sehen: Ronald Reinfurt als Wolf Bauer (Nachfolger des Staudersjörg als Schultheiß), Reinhold Keller, Jürgen Knapp, Alois Miltenberger und Erich Österlein spielen pfiffige Mönchberger Bauern. Weitere Darsteller: Michael Zoll, Christian Mücke, Alexandra Seufert, Jenny Dyroff, Birgit Stauder, Marco Keller, Eleonore Knapp, Dieter Zöller und Anita Keller. Die Regie liegt wieder in den bewährten Händen von Rudi Stauder, Souffleuse ist Ludwina Weis. Die Bühnenbilder malten Thomas Hagel und Arno Hegmann, für die Maske zeichnet Erika Zöller verantwortlich. Die Kostüme sind Leihgaben der Burgfestspiele Freudenberg, des Heimatmuseums Klingenberg und eigene Fertigung der Theatergruppe, für Beleuchtung und Technik sorgen Ronald Reinfurt und Eckhart Zöller. Weitere Aufführungen sind: Samstag, 2. Mai, 20Uhr; Sonntag, 3.Mai, 20Uhr; Samstag,9.Mai,20Uhr; Sonntag 10.Mai,15Uhr und 20Uhr; Samstag, 16.Mai,20Uhr; Sonntag,17.mai,20Uhr.

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